Die Halbinsel Krim

Den kompletten August und die Hälfte vom September verbrachte ich auf der Krim. Nach der Überquerung der Meerenge zwischen dem russischen Festland und der Halbinsel blieb ich zunächst für eine Woche in der Stadt Kertsch. Die heutige Siedlung Kreisch ist erbaut auf einem antiken Ort griechischen Ursprungs. Hier schloss ich mich einer archäologischen Expedition an.

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Vor zweieinhalb Jahrtausenden kamen die antiken Griechen nach Krim und brachten den Städtebau mit auf die Halbinsel. Viele ihrer Siedlung dienten später als Basis für die heutigen Städte. Zum Beispiel funktionierte in einem Ort die antike Wasserversorgung bis ins zwanzigste Jahrhundert und wurde erst im zweiten Weltkrieg zerstört.

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Kertsch war die Hauptstadt des antiken Königreiches "Bosporanisches Reich". Wir arbeiteten an einer kleineren Siedlung 10 Kilometer östlich. Die Ausgrabungen werden seit über 25 Jahre von dem größten Museum in Sankt-Petersburg "Ermitage" geführt. Vor 10 Jahre wurden dort Goldmünzen gefunden. Ansonsten findet man vorwiegend die Reste von Keramik. Während meiner Mitarbeit wurde ein Skelett ausgegraben.

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Die Teilnehmer der Grabungskampagne sind vorwiegend Studenten aus Sankt-Petersburg. Die eine Hälfte kommt aus den Fakultäten für Geschichte. Diese sind verpflichtet, während des Studiums einen Monat Praktikum bei den Ausgrabungen zu absolvieren. Sie sehen deswegen auf den Fotos nicht immer sehr glücklich aus und klagen oft über ihr hartes Leben. Die andere Hälfte sind Künstler oder auch Designer. Diese Gruppe leistet diese harte Arbeit freiwillig und verhalten sich so, als wären das die schönsten Ferien, die man sich nur ausdenken kann.

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Ein Arbeitstag ist schon hart. Die Arbeit fängt um sechs Uhr morgens an, damit man möglichst viel Zeit von seiner Arbeit noch vor der Hitze des Mittags erledigen kann. Dazwischen gibt es eine Frühstückspause und dann arbeitet man anschließend bis dreizehn Uhr. Insgesamt also 7 Stunden. Die letzten 4 Stunden sind richtig hart, denn die Temperaturen erreichen knapp 40 Grad und man findet keinen Schutz vor der Sonne. Nach der Arbeit wirft man sich als erstes ins Meer.

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Nach der Grabungskampagne folgte meine weitere Reiseroute der südlichen Küste. Jede Siedlung die man besucht, hat ihren ganz besonders Charme. In einer Stadt arbeitete und lebte der größte russischer Marinemaler Iwan Aiwasowski. In einer anderen Stadt lebte und schuf der weltweit berühmte Schriftsteller Anton Tschechov. Aus wieder einem anderen Ort brach der letzte russische Zar Nikolai II mit seiner Familie zu seiner letzten Reise nach Sankt-Petersburg auf. Auf dieser Reise wurde er verhaftet und später zusammen mit seiner Familie ermordet.  Dreißig Jahre später fand dort das Treffen zwischen Roosevelt, Churchill und Stalin statt, welches die Weltordnung für die nächsten Jahrzehnte festlegte. Wir kennen den Ort unter dem Namen Jalta.

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Und die Liste bedeutender Orte auf der Krim lässt sich noch beliebig fortsetzen. In Sevastopol erlebte Lew Tolstoi die Belagerung der Stadt im Krimkrieg. Diese Erlebnisse aus dem Krieg waren entscheidend für viele seiner späteren Werke, wie der weltberühmte Roman "Krieg und Frieden".

In Simferopol verbrachte der geniale Chirurg und Bischof Lukas seine letzten Lebensjahre. Nach vielen Jahren Verfolgung und Straflager wurde er rehabilitiert und mit dem Stalinorden 1. Klasse für seine wissenschaftliche Arbeit ausgezeichnet. Es ist einmaliger Fall in der Geschichte, dass man einem Mönch in einem kommunistischen Staat die allerhöchste Auszeichnung vergab.

In der antiken Stadt Chersones fand vor Tausend Jahren die Christianisierung Russlands statt. Von dort aus trat der orthodoxe Glauben seinen Siegeszug über das riesige russische Reich an.

Die Geschichte der Krim hängt eng zusammen mit anderen Völkern, die hier im Mittelalter lebten. Zum Beispiel befand hier das sogenannte "Khanat der Krim", dem Königreich der Krimtataren mit ihrer Hauptstadt in Bachtschyssaraj.

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Die Liste der geschichtsträchtigen Orte kann man unendlich lange fortsetzen. Außer den kulturellen Sehenswürdigkeiten findet man auf der Krim natürlich auch die sehr schöne Natur. Im Osten wechseln sich Berge mit einsamen Buchten ab. Überall wurden große Naturschutzgebiete eingerichtet. Die Küste und ihre Vegetation erinnern sehr an die Französische Riviera. Die meisten Touristen kommen hierhin alleine für den Badeurlaub.

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Zwei besondere Kapitel in der Geschichte der Krim sind die zwei großen Kriege. Der erste Krimkrieg dauerte von 1853 bis 1856 und war der brutalster Krieg des 19. Jahrhunderts nach den Napoleonischen Kriegen. Dort standen sich Russland auf der einen Seite und eine Allianz aus Osmanischen Reich, Frankreich, Großbritannien und Italien gegenüber. Insgesamt sind bis zu einer Million Menschen ums Leben gekommen. Nach dem Ende des Krieges stand die völlig zerstörte Stadt Sevastopol verlassen da und wurde erst 20 Jahre später allmählich wieder besiedelt.

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Auch im zweiten Weltkrieg war die Krim wiederum Schauplatz heftiger Kämpfe. Viele Museen und Denkmäler erzählen über den Schrecken der beiden Kriege.

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Insgesamt hielt ich mich auf der Krim über einem Monat auf. Zum Schluss tat ich mich etwas schwer mit der riesigen Menge an Touristen, die ausschließlich für den Badeurlaub hierherkommen. Die geschichtlichen und kulturellen Attraktionen hinterließen in mir allerdings sehr starke Eindrücke. Und nun noch ein Paar Bilder von der Halbinsel.

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