Solowezki-Insel

Nördlich von Sankt-Petersburg liegt die Republik Karelien. Es ist eine kalte Region mit unendlichen Kiefernwälder, Unmengen von Waldbeeren und Pilzen und Horden von erbarmungslosen Moskitos und Mückenschwärmen. Hinter unzähligen Wälder, umarmt von Küsten mit riesigen Felsbrocken, liegt das Weissmeer. 

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Diese harte unwirtliche Region war hauptsächlich von der Urbevölkerung der Karelier bewohnt. Hier entsteht im 13. Jahrhundert auf einer isolierten Insel ein Kloster, das Jahrhunderte später zum größten geistlichen Zentrum im weiten Norden werden sollte.

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Ich werde nun nicht die reiche Geschichte der Insel wiedergeben - dazu müsste ich selber Wikipedia nachlesen. Es reicht wenn ich erwähne, dass sie sowohl aus Höhepunkten und Siegen, als auch aus Niederlagen und Blutvergießen bestand. Viele Ereignisse die hier stattfanden, hatten einen entscheidenden Einfluss auf die gesamte russische Geschichte.

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Zu Anfang des 20. Jahrhunderts war es eines der größten geistlichen Zentren Russlands. Circa 300 Mönche lebten im Kloster selbst und noch 200 weitere in zahlreichen einsamen Klausen verstreut auf dem ganzen Archipel. Jedes Jahr kamen tausende Pilger hierher. Auf der Insel gab es bereits zu dieser Zeit ein funktionierendes Wasserkraftwerk und eine Wetterstation. Ein komplexes Kanalsystem wurde durch Dampfboote befahren. 

All das fand mit der Revolution ein jähes Ende. Das Kloster wurde geschlossen, alle Relikte wurden vernichtet und das Kloster fiel einem Brand zum Opfer. Hier wurde nun ein sogenanntes "Solowezki-Lager zur besonderen Verwendung“ (SLON) eingerichtet. Auf Russisch klingt sein Name witzig, denn "слон" bedeutet "ein Elefant". In Wirklichkeit war es eines der brutalsten Häftlingslager der Sowjetunion. Man schickte hierhin sowohl Verbrecher, als auch kirchliche und politische Gefangene. Es war das erste seiner Art, das zum Vorbild von Dutzenden anderer Gefangenenlager werden sollte.

Das Leben auf der Insel war als Häftling äußerst hart. Die Sommer sind kurz und in den anderen Jahreszeiten ist es sehr kalt, feucht und stürmisch. In den Wälder gibt es zahlreiche Moore. Die Verbindung mit der Außenwelt war fast abgeschnitten und im Winter ganz unmöglich. 

Unter diesen schrecklichen Bedingungen fanden hier tausende Häftlinge den Tod. Die uralten Friedhöfe aus der Zeit des Klosters wurden zerstört und die Opfer wurden ohne sichtbare Zeichen verscharrt. Man läuft hier buchstäblich auf Knochen. Zum Glück existierte das Lager "nur" bis 1933.

1991 kehrten die ersten Mönche wieder auf die Insel zurück. Man begann die alten Gebäude zu restaurieren. Es wird wahrscheinlich noch dutzende Jahre dauern, bis das Kloster sein ursprüngliches Aussehen bekommt. Was man aber dem Ort nicht wegnehmen kann - ist seine eigenartige erhabene Stimmung. 

Auf den Inseln gibt es nur Sandwege und Fußpfade. Die Bevölkerung führt ein sehr einfaches bäuerliches Leben. Und überall findet man Zeichen und Denkmäler alter Zeiten. Der Besuch mancher Insel ist nur in einer Gruppe erlaubt. Im Sommer finden drei Exkursionen am Tag statt und ansonsten wohnen die Mönche komplett isoliert. Nur enge Pfade führen dort durch unberührte Wälder. Und ab und zu findet man Spuren von Menschen: einen kleinen Gemüsegarten, einen Trinkbrunnen, eine kleine Hütte im Wald oder eine einsame Kapelle.

Mein Alltag... Der Kuhstall ist übrigens über 100 Jahre alt. 

Mein Alltag... Der Kuhstall ist übrigens über 100 Jahre alt. 

Dieses besondere Leben, sowie die eigenartige Stimmung dieses Ortes zieht jedes Jahr tausende Menschen hier hin. Manche kommen als Touristen für ein Wochenende. Andere verbringen Wochen und sogar Monate hier.

Und zum Schluss noch ein Paar Impressionen:

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