Die südliche Küste vom Baikalsee

Dieser Beitrag ist etwas ungeordnet geworden. Dies wiederspiegelt aber ganz gut die Bedeutung eines glücklichen Zufalls während einer Reise. Nach der letzten Tour entlang der nördliche Küste wollte ich mir noch die südliche Küsten anschauen. Als Ausgangspunkt wählte ich ein kleines Dorf Enhaluk. Es ist dank schönen Sandstränden und heißen Quellen ein sehr beliebtes Ziel für einen ruhigen entspannten Familienurlaub. 

Mein Ziel war die Delta des Flusses Selenge. Es ist die einzige Delta weltweit, die in einen Süßwassersee mündet. Mich hat das Bild auf der Karte beeindrückt und ich wollte es unbedingt anschauen. Nach einer Übernachtung in einem Hostel startete ich gegen 11:00. Die Wettervorhersage war pessimistisch: die nächsten Tage sollte es kalt und regnerisch sein. Die ersten 10 Kilometer ging ich einen wunderschönen Strand entläng. So einen erwartet man eher von den Meeresstränden. 

Anfang Juni ist hier noch zu kalt. Deswegen habe ich keinen einzigen Touristen sonst getroffen. Dafür gab es zahlreiche Angler. Um mir etwas Lebensmittel zu besorgen entfernte ich mich von der Küste und ging eine Strasse entlang. Inzwischen schaffte ich fast 30km und war recht müde. Außerdem war es zu kalt und zu windig fürs Zelten und ich sah kein einziges Gasthaus. Als ich an einem langen Zaun vorbeiging, öffnete sich das Tor und ein Mann kam raus. Er fragte mich, wohin ich ginge und bat eine Übernachtung an. 

Er heisst Dontop Namgilov und ist ein Burjate. Sein Bruder ist ein Geschäftsmann und kaufte unteranderem eine ehemalige Sowchos-Gelände. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurden die meisten geschlossen und stehen heute verlassen.

Diesen Abend musste ich zum ersten Mal in meinem Leben Kühe in den Pferch bringen. Ich dürfte außerdem beobachten, wie er Schweine futterte und Kühe melkte. Anschliessend aßen wir und er erzählte mir viel von seinem Leben.

Am nächsten Morgen erreichte ich die Delta des Flusses. Es scheint sehr interessant zu sein, allerdings bräuchte man ein Boot um es anzuschauen. 

Die Buse fahren sehr selten in dieser Gegend und man muss vorher anrufen um sich anzumelden. Zum Glück fand ich einen Autofahrer, der mich bis zur nächsten kleinen Stadt mitnahm. Ich stieg an einer Haltestelle aus blickte mich um und sah plötzlich ein gut bekanntes Auto aus dem Kloster. Es waren ca. 50 km bis zum Kloster. Ich kam mit. Am nächsten Tag war eine große Feier und im benachbarten Kloster fand eine große Kreuzprozession statt. Ich wurde eingeladen mitzukommen. Kreuzprozession ist eine alte kirchliche Tradition aus Griechenland, Russland und anderen Orthodoxen Ländern. Tausende Menschen gehen zu einem Pilgerort und Priester besprengen alles auf dem Weg mit Weihwasser. Menschen singen dabei und läuten in die Glocken. Die Kreuzprozession startete gegen 13:00 und dauerte bis 18:00. Insgesamt sind wir ca. 15 km gelaufen. 700 Menschen nahmen teil. Wenn die Kreuzprozession am Wochenende stattfindet, kommen bis zu 2000 Menschen mit. Das Ziel war eine kleine Kapelle auf einem Berg.  Nach der Feier assen alle zusammen und ein junger Mann nahm mich mit nach Irkutsk. Irkutsk ist fast eine Nachbarstadt, man fährt aber locker 6-7 Stunden. Die Abstände sind gewaltig hier. Jurij arbeitet beim Rettungsdienst als Taucher. Er mag extreme Sportarten, unteranderem Klettert und gab mir viele nützliche Tips für meine Reise.

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