The Great Baikal Trail

Der erste Ausflug ins russische Wildniss. 3 Tage und zwei Nächte. Nur wenige getroffene Menschen. Ich fange aber lieber vom Anfang an.

Im Süden der Großstadt Irkutsk, an der Küste vom Baykal-See liegt eine kleine Siedlung namens Listvyanka. Dieser Ort voller fremdaussehender Hotels, auf die Schnelle gebauten Souvenirgeschäfte, und einheimischen Glücksucher, die hier schnelles Geld machen wollen, verdient den Siegel eines der langweiligsten Dorfe überhaupt. Und das trotz der Tatsache, dass es an einem der schönsten Seen der Welt liegt: eine bemerkenswerte Leistung. 

Blumen am Baykal-See
Blumen am Baykal-See

Trotzdem kommt manch ein Tourist nicht um Listvyanka vorbei. Denn hier beginnt der sogenannte "Great Baikal Trail". Der Wanderpfad, der in der Zukunft eine Art russische "Pacific Crest Trail" werden könnte. Da der Pfad ehrenamtlich gebaut wird und die Küste sehr komplex ist, wird es noch lange dauern, bis der Pfad den ganzen See umkreist. Momentan ist eine Strecke von lediglich ca. 50km fertig. Diese Route ist aber sehr schön, abwechslungsreich und teilweise hart. 

Ich bin am Dienstag gegen 16:00 Uhr gestartet. Der erste Abschnitt bestand aus einem steilen Aufstieg in einem schönen Laubwald mit seltenen Ausblicken auf den See. Überall sieht man Ameisenstädte - ein gutes und beruhigendes Zeichen, denn in der Nähe der Ameisen gibt es viel weniger Zecken. Momentan läuft ihre aktivste Zeit. 

Abends fand ich einen Campingplatz mit einer Aussicht auf den See. Fast alle Campingplätze liegen an sehr schönen Orte nah am Wasser. Das hat leider ein Nachteil: Anfang Juni ist es am Wasser sehr windig und kalt. Ich konnte nur ein Paar Stunden schlaffen, bin um 4:00 aufgestanden und bin sofort losgegangen um mich warm zu halten. Die Belohnung: Morgen früh, direkt nach dem Sonnenaufgang ist es so schön. Nun lief der Pfad durch ein Nadelwald direkt an der Küste entlang. Ich geniesste den ganzen Tag die tollsten Aussichten auf den See. Manchmal verschwand der Pfad und ich ging am Strand. Alle Paar Stunden wartete auf mich eine neue angenehme Überraschung. Sei es ein Pfad voller Schmetterlinge oder Grashüpfer, oder ein starker Wechsel des Biotops. Oder wie auf dem Bild unten: ein Strand voller ungewöhnlichen Steine.

Abends wurde es frisch und windig. Dieses mal verzichtete ich auf den Campingplatz und ging tief in den Wald zwischen zwei Bergen. Im Gegenteil zur Küste herrschte dort komplette Windstille und es war deutlich wärmer. In der Mitternacht fing ein Sturm an. Sogar im Wald war der Wind so stark, dass ich Sorgen um mein Zelt hatte. An der Küste würde der Sturm es wahrscheinlich wegblasen. Dafür war es verhältnismäßig warm und ich könnte diese Nacht mich etwas besser ausschlafen. Morgen früh musste ich das Zelt im Regen zusammenbauen. 

Die Natur änderte sich schon wieder und zusammen mit dem tiefgrauen Himmel machte es einen komplett anderen Eindruck, als in den Tagen davor. Leider nahm auch die Müdigkeit zu. Ich konzentrierte mit vollständig aufs Gehen und hatte wenig Kräfte um hin und her zu schauen. Ganz zu schweigen vom Fotografieren. Alles passierte eher automatisch.

Gegen Mittag erreichte ich mein Ziel: eine großes Dorf, von wo aus Buse nach Irkutsk fahren. Eine kleine Überraschung: es gibt nur einen Bus und der fährt einmal pro Tag um 8:00. Ein gutherzige Einheimischer bot mir seine Dienste für 80€ an und versicherte, dass mich sonst niemand mitnehmen würde. Nachdem ich mich geistlich schon auf die weitere Nacht im Zelt vorbereitet habe, fand ich doch einen Fahrer, der mich mit nach Irkutsk nahm. 

Ich kam in Irkutsk an, konnte mich kaum auf den Füßen halten, alle meine Sachen waren feucht und ich war sehr glücklich.