Uzbekistan

Die vergangenen 2 Wochen wohnte ich in einer usbekischen Familie in einer kleinen Siedlung in der Nähe der Hauptstadt "Tashkent".

Das Familienoberhaupt, Ohap, ist von Beruf Zahnarzt. Seine "Praxis" befindet sich auf dem Hinterhof seines Hauses. Er hat weder genaue Arbeitszeiten, noch einen festen Terminplan. Seine Patienten kommen meistens erst dann, wenn die Schmerzen nicht mehr auszuhalten sind. Davor versuchen sie abzuwarten, bis die Schmerzen weg sind, was aber selten gelingt. Dank seines Berufes geniesst Ohap eine grosse Achtung im Dorf und einen guten Ruf. 

Sein Sohn Alisher, studiert ebenfalls Zahnmedizin. Neben dem Studium arbeitet er bereits bei seinem Vater und behandelt selbständig Patienten. Die Vater-Sohn Beziehung hat in Usbekistan eine herausragende Stellung in der Gesellschaft. Eines Tages hatte Alisher uns in eine Schischa-Bar eingeladen. Kurz vor dem Abend hatte sein Vater aber seine Unzufriedenheit über diesen Besuch angedeutet. Ich hatte das zuerst nicht wirklich ernstgenommen. Aber für jeden Sohn in Usbekistan ist die Meinung des Vaters Gesetz. Egal um was es geht, der Vater hat immer das letzte Wort. Und das, obwohl Alischer bereits eine eigene Familie hat. Natürlich fuhren wir nicht zur Schischa-Bar.

Nach dem Studium möchte Alischer mit seiner Frau Sarina nach Sankt-Petersburg umsiedeln. Für Alischer ist das die einzige Möglichkeit von seinem Vater unabhängig zu werden. Seine Frau Sarina darf in Usbekistan nur Hausfrau sein. Sie hat aber studiert und möchte gerne in Russland in ihrem Beruf arbeiten.

Die jüngste Tochter von Ohap ist 13 Jahre alt und besucht eine russischsprachige Schule. Ihre grösste Abneigung sind "Subbotnik". Subbotnik sind unbezahlte Arbeitseinsätze am Wochenende und in den Ferien. Alle Kinder in Usbekistan arbeiten an diesen Tagen auf dem Feld bei der Gewinnung von Baumwolle. In der neunten Klasse muss sie ihren zukünftigen Beruf auswählen. Ihr steht allerdings nicht besonders viel zur Auswahl. Entweder Textilfabrik oder Buchhaltung.

Vor der russischen Revolution war Uzbekistan grösstenteils unabhängig, stand aber unter russischem Protektorat. Nach der Revolution von 1917 hat die Rote Armee jedoch das Land erobert und hat dabei riesige Zerstörungen angerichtet.

In der Sowjetzeit wurde Uzbekistan von Russland völlig abhängig. Es wurden viele industrielle Zentren errichtet, deren Bevölkerung zu 80% aus Russen bestand. Heute sind die industriellen Zentren so gut wie leer. Alle Russen haben heute das Land verlassen und viele Usbeken fahren heute auf der Suche nach einem besseren Leben nach Russland.

Dem Land fehlen hauptsächlich qualifizierte Arbeitskräfte. Viele Zechen, die in der Sowjetzeit betrieben wurde, stehen heute still. Und das nur deshalb, weil das notwendige Know-How oder die Finanzierung fehlt.

Galia ist eine ältere Dame tatarischer Abstammung. Ihr Mann wurde vor 20 Jahre wegen 300 USD in Russland ermordet. Heute lebt sie in Angren, einer Kleinstadt im Osten des Landes zusammen mit ihrem Sohn Ruslan. Er ist der älteste von drei Brüdern. Die anderen beiden leben und arbeiten in Russland. Ruslan ist behindert. Er ist sehr nett und freundlich, arbeitet viel im Garten und ist sehr religiös. In der Kirche hat er Freunde gefunden. Die Stadt war früher zu 80% von Russen besiedelt. Heute ist sie größtenteils verlassen. Vor Jahren verdiente Galia noch ihren Lebensunterhalt mit Ihrem Garten. Heute schränkt ihre Gesundheit die Gartenarbeit ein. Deshalb möchte sie nun Ihre Wohnung und den Garten verkaufen, um nach Russland umzuziehen.

Ein besonderes Merkmal der Uzbeken ist ihre Gastfreundschaft. Egal wohin man kommt, wird man als erstes zu Tisch eingeladen. Fast alle Gerichte sind aus Fleisch. Und alle Zutaten, sei es Fleisch, Obst oder Gemüse sind unglaublich schmackhaft. Schafe und Kühe laufen überall frei herum. Und fast jede Familie hat einen eigenen Garten. Eingekauft wird in der Regel auf dem Bazar. Sie sind dort sehr bunt und reichhaltig. Es gehört zur Kultur der Uzbeken, bei jedem Kauf intensiv um den Preis zu verhandeln. Das verdoppelt die Zeit für das Einkaufen.

Und, apropos Geld, auf dem Bild unten liegen auf dem Tisch circa hundert Euro. In Uzbekistan braucht man kein Portemonnaie - lieber gleich eine Tasche mitnehmen. Dafür kann niemand auf der Welt Geld schneller zählen, als ein Uzbeke.